Senderchen flieg

von amfenster

Sie haben es geschafft.

Ich nehme mit einem kurzen „Aha.“ zur Kenntnis, was mich eigentlich auf die Barrikaden bringen müsste.

Die Taktik der Zermürbung und des dosierten Tabubruchs war erfolgreich. Jetzt können sie die Lindenstraße in eine sechswöchige Sommerpause schicken, und alles was ich denke, ist: „Aha.“

Mein direkt anschließender zweiter Gedanke war: Ich müsste jetzt eigentlich bei der ARD shitstormen – aber nö, ist mir viel zu anstrengend.

Sie haben es geschafft.

Man muss angesichts dieser skandalösen Entscheidung nicht gleich das Totenglöckchen läuten hören – der aktuelle Vertrag läuft bis 2019. Aber man muss auch nicht Sherlock Holmes Hajo Scholz sein um zu erkennen, dass sich auf diesem Weg mal ganz unverbindlich testen lässt, was man mit dem sonntäglichen Sendeplatz sonst noch so anstellen könnte. (Der ja ohnehin immer seltener bespielt wird: gefühlt jede dritte Folge läuft eh nur noch auf dem Digitalsender „One“ und im Netz.) Und wen die Lindenstraße danach noch interessiert.

Die Produktion verspricht nun, mit einer „außergewöhnlichen Folge“ aus der Sommerpause zurückzukehren. Nur ein „intensiv erzählter“ Handlungstrang, der die vergangenen fünf Wochen zusammenfasst, teuflischer Showdown, besondere Schauplätze, filmischer Look, blabla. Womit man sich und den anderen die Lage halt so schönredet.

Wenn die Lindenstraße Hollywood sein wollte, ist das noch selten gutgegangen, meine Vorfreude auf Folge 1638 ist also eher überschaubar (schon allein das Teaserfoto!). Aber ich will Hana Geißendörfer und ihrem Team keinen Vorwurf draus machen, dass sie zu retten versuchen, was in dieser Situation noch zu retten ist. (Und bin sogar geneigt, das hohle Pressemitteilungs-Geblubber zu verzeihen, wie „spannend“ es sei, „Neues auszuprobieren“, jaja is klar.)

Trotzdem, auch wenn ich mich wiederhole: Liebe ARD, so geht das nicht! Die Idee der Lindenstraße: „Echtzeit“-Erzählung mit einer Folge pro Woche, konsequent durchgezogen auf einem verlässlichen Sendeplatz. Nur so funktioniert es, nur so ist es Lindenstraße. Dagegen mal hier, mal da, dann wieder gar nicht – so funktioniert es nicht. N-i-c-h-t! So verprellt man höchstens sein Publikum, über dessen Fernbleiben man dann hinterher Krokodilstränen weinen kann.

So, und jetzt bin ich doch in Rage. Ganz haben sie es doch noch nicht geschafft.

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