Kick it like Hitzlsperger

von amfenster

Das Jahr 2014 hat noch 358 Tage, aber der Held des Jahres dürfte jetzt schon feststehen: Thomas Hitzlsperger. Den Namen hatte sogar ich, dem „unsere Jungs“ sonstwo vorbeigehen, schon mal gehört – ich konnte also direkt mitmachen bei dem großen „Ohoo!“, das gestern durch die Republik hallte.

Zusätzlich zu dem wohl jetzt schon legendär zu nennenden, landauf landab zitierten Interview mit der „Zeit“ hat Hitzlsperger um Mitternacht ein Video veröffentlicht, in dem er verschiedene, erwartbare Fragen rund um sein Coming-Out beantwortet. Der mutige Schritt war also wohl generalstabsmäßig geplant, und was soll ich sagen: Zu der klugen und besonnenen Art, zu der Selbstsicherheit, und ja: zu der Souveränität, mit der sich Hitzlsperger der Öffentlichkeit stellt, kann man ihm nur gratulieren.

Natürlich treten stante pede wieder die Nörgler auf den Plan: Hitzlsperger würde als nicht mehr aktiver Spieler ja nichts mehr riskieren; und überhaupt, wen würde denn anderer Leut‘ Sexualleben interessieren – als ob Hitzlsperger mehr (bzw. nicht sogar weniger) von sich preisgegeben hätte als jede/r Büroangestellte, der/die ein Foto seines/ihres Ehepartners auf dem Schreibtisch stehen hat (wie ja überhaupt der scheintolerante Einwand, das sei doch alles Privatsache, ohnehin nichts anderes ist als der auf Vernunft frisierte Wunsch, bitte nicht mit der Existenz Homosexueller behelligt zu werden).

Ich gönne mir angesichts Hitzlspergers Coming-Out meine pathetischen fünf Minuten und sage: Ein Mann hat Geschichte geschrieben. Angesichts der seit Jahren im Raum stehenden Frage „Wann outet sich der Erste?“ hat dieser Schritt fast schon messianischen Charakter. Natürlich war ihm klar, welchen Knüller er damit landen würde. Umso größeren Respekt vor der Nonchalance, mit der er sich dieser Herausforderung gestellt hat. Möge er vielen ein Vorbild sein. Und ihm persönlich vielen Dank – und alles, alles Gute!

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Leo Fischer (Neues Deutschland): Sexualschaffner

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