Call It Your Day No. 1 in the Rest of Forever

von amfenster

Vienna Teng live in Stuttgart, 19.10.2013

Ich bin müde – wieder mal zu spät ins Bett -, aber guter Dinge, als ich Saal T3 des Theaterhauses Stuttgart betrete. Die Fahrt war ausgesprochen entspannt, die vorhin noch schnabulierte Pizza zumindest okay – und hey: Hier spielt gleich Vienna Teng! Vorher nimmt aber noch Clemens Bratzler neben mir Platz.

DSCN9547

Die kloane Tür zum Paradies

„Harbor“, solo am Klavier, so geht’s schon mal los. „Blue Caravan“ gleich hinterher. Jetzt kann’s eigentlich nur noch schlechter werden. Wird es aber nicht.

Dass die Songs des neuen, teilweise sehr elektroniklastig produzierten Albums „Aims“ in einer Trio-Besetzung so gut funktionieren, ist eine der vielen schönen Überraschungen dieses Abends.  Mit Hilfe von allerlei Elektronik wie Loopmachines oder Vokal-Harmonizern, vor allem aber mit einer Menge Kreativitiät, Virtuosität und Musikalität zaubern Vienna und ihre beiden Mitstreiter Jordan Brooke Hamlin (Gitarre, Horn, Klarinette, Percussion) und Alex Wong (Drums, Percussion, Gitarre) einen dichten Sound, der gegenüber der Platte nichts, aber auch gar nichts vermissen lässt. Und nachdem Vienna in „The Hymn Of Acxiom“ mit sich selbst im Chor gesungen hat, und zwar live, verwundert es auch nicht mehr, dass der mit sparsamen Mitteln erzeugte Hiphop-Beat von „In The 99“ reinhaut, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Und diese Stimme, immer wieder diese Stimme!

Zu kucken gibt’s auch was. Gitarrenspiel mithilfe von Garn etwa, singende Gläser, und vor allem das atemberaubende Plastikbecher-Percussion-Spektakel in „Copenhagen“:

 

Dazwischen neue („Landsailor“) und alte („Antebellum“) Lieblingslieder – Herz, was willst du mehr! – und den einen oder anderen Benutzungshinweis für einzelne Songs. Die Überlegung hinter „Landsailor“ zum Beispiel: ein Zwiegespräch zwischen Kapitalismus und Menschheit – wär ich jetzt nicht von selber draufgekommen.

Das Publikum: freundlich, wohlgesonnen, begeistert. Und zwar zurecht. Die Dankbarkeit im Saal ist mit Händen zu greifen und scheint auch bei den Künstlern anzukommen. Schön sowas.

Ein Hauch von Peter, Paul & Mary beim offiziell letzten Song „Goodnight New York“. Am Ende dann noch Zugaben auf Zuruf („Gravity“, „City Hall“) und die a cappella in den Saal gesungene „Green Island Serenade“ (in Mandarin), und fertig ist eines der besten, nein: allerbesten Konzerte meines Lebens. Erst nochmal Herrn Bratzler vorbeilassen, und dann muss ich ihr das im Rahmen des obligatorischen Signier-Rituals aber auch sagen, es geht nicht anders.

Und nun: Musik.

_____________________________________________________

Advertisements