Still Got The Greens

von amfenster

Es ist wahrlich kein berühmtes Ergebnis, dass die Grünen bei der gestrigen Bundestagswahl eingefahren haben. Klare Verluste gegenüber der letzten Wahl, für das erklärte Ziel einer rot-grünen Mehrheit hat es nicht gereicht, und dann auch noch kleinste Fraktion im Bundestag. Kurz: Man hat nichts von dem geschafft, was man erreichen wollte – das nennt man wohl eine Niederlage.

Auch ich habe eine Weile ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, den Grünen ausnahmsweise einmal untreu zu werden und etwas Verbotenes zu tun, aber am Ende war mir mein gut eingetragenes grünes Hemd dann doch näher als der Purpurrock. Und es geht mir ein bisschen auf den Senkel, wie diese – zweifelsfreie – Niederlage jetzt zum grünen Armageddon dramatisiert wird.

Sicher, die Umfragen legten zeitweise nahe, dass für die Grünen eine ganze Menge möglich sein könnte. Dieses Potenzial wurde nicht genutzt, und gemessen daran müssen diese 8,4 % wie eine krachende Niederlage aussehen. Allein: Wir wissen nicht, wie realistisch diese Stimmungsbilder jemals waren, wie groß das Potenzial tatsächlich war. Und vor allem: Entscheidend is aufm Platz, also in der Wahlkabine in diesem Fall, und da liegt der reale Verlust gegenüber 2009 bei 2,3 % – signifikant, aber nicht dramatisch, zumal die Grünen damals mit 10,7 % ihr absolutes Rekordergebnis bei Bundestagswahlen eingefahren hatten.

8,4 % sind für die Grünen immer noch das drittstärkste Ergebnis bei allen Bundestagswahlen seit 1980 – deutlich mehr als bei der historischen Wahl 1998 (6,7 %), und in etwa derselben Größenordnung wie die für damalige Verhältnisse starken 8,6 %, mit denen die Grünen unter Joschka Fischer 2002 dem Herrn Schröder seinen werten Kanzlerpopo gerettet haben. Sprich, die Grünen sind wieder in ihre angestammten Gefilde zurückgefallen. Das ist enttäuschend, aber keine Katastrophe.

Zufrieden kann mit dem Ergebnis dieser Wahl kaum ein Grün-Wähler sein – was weißgott noch eine Menge anderer Gründe hat als diese mauen 8,4 %. Aber ich teile Felix Werdermanns Einschätzung, dass dem ohne große Schönfärberei auch Positives abzugewinnen ist:

Das konservative Wählerklientel hat sich verabschiedet, nun könnten sich auch die Grünen von ihren neuen Zielgruppen verabschieden und sich wieder auf ihre linke Stammwählerschaft konzentrieren. Das verhindert nicht nur die innere Zerreißprobe, sondern ebnet auch den Weg für eine rot-rot-grüne Koalition in einigen Jahren. Und die Politik wird dadurch sowieso wieder besser.
Die Stammwählerschaft, auch das zeigt das Wahlergebnis, hat die Wahlkampf-Attacken auf die Grünen als solche erkannt und sich nicht abschrecken lassen.

Bleibt jetzt nur die Hoffnung, dass sich die Grünen nicht dazu hinreißen lassen, in ihrer Verzweiflung mit Merkel ins Bett zu steigen und sich dort genauso pulverisieren zu lassen wie die FDP. Und vielleicht schaffen es Grüne und die diversen Roten ja doch noch irgendwann, aus der vielbeschworenen „theoretischen“ linken Mehrheit eines Tages eine reale, handlungsfähige zu schmieden. Wandel durch Annäherung, da war doch mal was.

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