Ute Mora

von amfenster

Heute vor zehn Jahren starb Ute Mora.

Von 1985 bis zu ihrem Tod spielte sie in der Lindenstraße die Berta Griese. Während dieser ganzen Zeit hat sie die Serie durch ihre Darstellung jener alten Jungfer, die sich spät aus der erdrückenden Fürsorge ihrer Mutter befreit, um zu einer selbstbewussten und starken, dabei aber stets etwas komplexverhangenen Frau zu wachsen, entscheidend mitgeprägt. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass sie eines der charaktervollsten Gesichter im Ensemble war – wenn auch freilich immer ein wenig im Schatten der zu Kultfiguren hochgejazzten Stars Marieluise Marjan (Mutter Beimer) und Annemarie Wendl (Else Kling).

Nach allem was man hört, muss Ute Mora eine unglaublich disziplinierte und professionelle Schauspielerin und vor allem eine überaus beliebte und geschätzte Kollegin gewesen sein. Bis heute äußern sich ausnahmslos alle ausgesprochen respektvoll über sie. Und wann immer in den diversen Audiokommentaren oder Bonus-Interviews auf den alten Lindenstraßen-DVDs von Ute Mora die Rede ist, mischt sich aufrichtige Betroffenheit in die Anmerkungen der KollegInnen. Da ist spürbar mehr als ein taktvolles „Über die Toten nur Gutes“. Die völlig unerwartete Nachricht von ihrem Tod war wohl wirklich ein Schock, und es muss für alle Beteiligten ein Kraftakt gewesen sein, unter diesem Eindruck weiterzuarbeiten – und den eilig ins Drehbuch gearbeiteten Abschied von Berta Griese zu spielen.

Ich erinnere mich noch gut an die Szene, in der Hajo Scholz erfährt, dass sein Rehlein gestorben ist. Diese Sprachlosigkeit, dieses Nicht-glauben-wollen – das war (wieder mal) ein großartiger Moment von Knut Hinz (einem der ganz Großen aus dem Lindenstraße-Cast, der mich mit dieser wesentlich jüngeren Szene immer noch zuverlässig zum Heulen bringt). Heute bin ich davon überzeugt: Was wir damals gesehen haben, war echt. Hier und da ein wenig handwerklich in Form gebracht, sicher. Aber im Grunde authentisch.

Hajo Scholz haben die Autoren später neues Liebesglück mit Sabrina Buchstab geschenkt. Im wirklichen Leben fand die Geschichte eine traurigere Fortsetzung: Ute Moras Ehemann Christoph Lindert (der in einigen Lindenstraße-Folgen als Vater von Benny Beimers Freundin Kornelia zu sehen war) nahm sich zwei Jahre später das Leben.

Die Lindenstraße ist natürlich auch ohne Berta Griese weitergegangen. Wenn man heute die alten Folgen sieht, merkt man, dass der Serie mit Ute Moras Tod eine so unverwechselbare wie unersetzliche Farbe abhanden gekommen ist. Uns bleiben die Erinnerungen – und, dank DVD jederzeit abrufbar, all die vielen Szenen, in denen Ute Mora Berta Griese war.

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