A so a Brezgamarkt wegs dera Bluam

von amfenster

Nun ist er also verurteilt worden, der Schöpfer der Augsburg-Blume, und ich bin dann wohl endgültig der letzte, der sich noch kein abschließendes Urteil über die ganze Sache gebildet hat. Was jetzt wahrscheinlich auch nicht mehr passieren wird.

Sicher, die stilisierte Blume, die der junge Mann über ein Jahr lang flächendeckend in der Stadt verteilt hat, ist hübsch, grafisch nahezu genial und als wiedererkennbares Markenzeichen, als Brand demnach absolut gelungen. Und auch der Gedanke, die Stadt streetartmäßig zum Blühen zu bringen, hat was für sich.

Allerdings konnte ich nie so ganz verstehen, warum man wilde Schmierereien – und seien sie noch so schön – an Brief- und Trafokästen, Hauswänden und Laternenmasten toll finden soll. Nur weil da ne Blume dargestellt ist?! Ich bin ja sehr für städtisches Grün, aber dann doch lieber gleich richtig. Edding bleibt am Ende halt doch Edding.

Und so konnte ich nie in den Chor derer einstimmen, die angesichts der strafrechtlichen Verfolgung des Künstlers das wahrlich augsburgtypische „Tübbisch Augschburg!“-Lied anstimmten und gar eine pathetisch betextete Todesanzeige für die Augsburg-Blume entwarfen. (Eine Todesanzeige, also bitte! Leute!!)

Ich weiß nicht, was provinzieller ist: Streetart, die – sympathisch hin oder her – nur durch Sachbeschädigung zu haben ist, nicht vorbehaltlos knorke zu finden; oder einen Künstler, der für sein illegales Tun juristisch zur Rechenschaft gezogen wird, zum Märtyrer der urbanen Kunst zu stilisieren.

Nun, das Kunstwerk Augsburg-Blume ist in der Welt, und ich glaube, das ist gut so. Sie ist ja charmant, und auf Stickern und T-Shirts wird sie weiterleben. Eingeschrieben bleiben wird ihr aufgrund ihrer Geschichte allerdings ein Hauch des Provinzmuffs, an dem Augsburg ja so gerne vor sich hin leidet – und ich bin mir nicht sicher, ob daran nur ihre Kritiker schuld sind.

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