Honky Münster

von amfenster

Elton John live in Ulm, 20.07.2012

Wie’s manchmal so geht: Da bekommt man Karten für ein Konzert geschenkt, die käuflich zu erwerben einem nicht im Traum eingefallen wäre, und so steht man plötzlich im Nieselregen vor dem Ulmer Münster und wartet auf Elton John.

Es war wirklich und wahrhaftig mein erstes Konzert mit LED-Leinwänden links und rechts der Bühne – the closest I ever got to Stadionrock. Auf denen erschien dann auch pünktlich um 19 Uhr Sir Elton und kündigte den Opening Act an, zwei junge kroatische E-Cellisten, die auf tatsächlich atemberaubende Weise Rock-Klassiker darboten und dabei vielleicht nur etwas zu penetrant die Teufelsgeiger-Karte ausspielten. Bereits mit ihrer fünften Nummer – „Saturday Night’s Alright For Fighting“, bei dem ohne großes Gedöns der Meister selbst die Bühne betrat – ging die Performance nahtlos ins Hauptprogramm über, und die beiden Jungs sollten auch im Folgenden immer wieder die Elton-John-Band bereichern.

Nun, ich war und bin nicht sonderlich vertraut mit dem Gesamtwerk Elton Johns, und so blieb mir über weite Strecken des Konzerts nicht viel anderes übrig, als – durchaus mit Wohlgefallen – rhythmisch mit dem Kopf zu nicken und mich ein wenig über die Verschlunzung meines ursprünglichen Plans zu ärgern, dem Konzertbesuch einen kleinen Ulm-Ausflug vorausgehen zu lassen (stattdessen hatte ich es mit quietschenden Reifen und unter Absingen wüster Lieder grade so geschafft).

Selbst mir als sehr sporadischem Elton-John-Hörer blieb allerdings nicht verborgen, dass das via Ticket gegebene Versprechen „Greatest Hits“ voll und ganz eingelöst wurde: „Rocket Man“, „Goodbye Yellow Brick Road“, „Sad Songs“, „Nikita“, „Sacrifice“, „Candle In The Wind“, „Daniel“, „Sorry Seems To Be The Hardest Word“, ein dem unlängst verstorbenen Jon Lord gewidmetes „Don’t Let The Sun Go Down Me“ und, als einzige Zugabe, „Your Song“ – da blieben wohl wirklich keine Wünsche offen.

Eine solche Hit-Dichte lässt natürlich keinen Platz für Mätzchen, und so war die zweieinviertelstündige Show völlig schnörkellos. Auch mit Ansagen hielt sich Sir Elton sehr zurück, im Grunde beschränkte er sich auf die sehr richtige Feststellung: „You’re wet!“ Immerhin war der Regen so gnädig, nie stärker zu werden, als es Capes und Regenjacken bewältigen konnten.

Die Band musizierte routiniert und teils im Sitzen (der Bassist!), groovte dabei aber wie Sau, so dass ihr auch das etwas zu telegene Gegrinse in die Stage-Kameras verziehen sei. Leider litt der dichte Sound unter der höhenlastigen Plärrigkeit der PA-Anlage, in der viele Nuancen – gerade Elton Johns immer noch bemerkenswert fitte Stimme und sein formidables Klavierspiel – untergingen. Vor allem in den Tutti-Passagen mit vollem Background-Chor und E-Celli war das nachgerade ärgerlich, kamen diese so doch in erster Linie als Gekreische rüber.

Nicht im Stich gelassen wurde ich auch diesmal von meinem zuverlässigen Konzert-Parfüm-Karma. Irgendwer in meiner unmittelbaren Umgebung hatte etwas aufgetragen, das so roch wie ein vor 20 Jahren zwecks Textilbeduftung in einen Schrank in einem Puff in Marrakesch gelegtes Stück Gewürzseife – kurz: wie etwas, was Elton John selbst gewiss mit Freuden auflegen würde. Das passte also. The scent of her lingers.

Auch wenn im letzten Teil des Konzerts mit „The Bitch Is Back“, „I’m Still Standing“ und natürlich „Crocodile Rock“ veritable Partystimmung aufkam, wartete ich letztlich doch vergeblich auf einen magischen Konzertmoment. Wobei ich nicht sagen kann, ob das tatsächlich ein Versäumnis des routiniert delivernden Künstlers war oder einfach nur an meinem fehlenden Elton-Fantum lag. Vielleicht auch beides.

Am Ende jedenfalls doch das schöne Gefühl, einer lebenden Legende bei der Arbeit zugesehen haben zu dürfen, und ein Ansporn, mir endlich mal die seit zehn Jahren bei mir rumstehende Best-of-CD vorzuknöpfen.

Und die Bratwurscht hinterher war sehr lecker, danke Ulm!

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