Also hömma!

von amfenster

Luz amoi live im Parktheater Augsburg, 24.03.2012

Zunächst: Danke an die Firma B. aus M., der ich die Tickets für einen Konzertabend mit einer Band verdanke, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte: Luz amoi, in der Ankündigung charakterisiert als „neue bayerische Weltmusik“.

Luz amoi kommen ursprünglich aus Freising und sind allesamt studierte Musiker und außerdem fast durchweg Multiinstrumentalisten. Einen entsprechend dichten und abwechslungsreichen Sound bringt die Band daher mit Hackbrett, Harfe, Akkordeon, Saxophon, Geige, Marimba, akustischen und elektrischen Gitarren, Kontra- und E-Bass auf die Bühne. Und das – noch viel bemerkenswerter – in einer wirklich beeindruckenden stilistischen Bandbreite. Die alpenländische Volksmusik ist wirklich nur der – oft kaum noch zu erahnende – Ausgangspunkt, von dem sich Luz amoi in alle nur denkbaren Himmelsrichtungen aufmachen. Bald klingt’s nach Tango, bald nach Sega, da wird mal ein Fuß in den Bluegrass gestippt, dort im Gypsy-Swing gebadet und gleich darauf  eine Folkballade gezupft, und am Ende haben sogar ein bisschen proggiges Gegniedel und ein Schlagzeugsolo noch Platz. Ideenreichtum plus Virtuosität mal Souveränität – so macht Musik Spaß!

Leider litt die feine Instrumentalarbeit unter der – zumindest oben auf dem Rang – recht hallenartigen Akustik des Parktheaters. Die teils fünfstimmig intonierten Gesangstexte waren im daraus resultierenden Klangbrei sogar nahezu unverständlich. Schade.

Einziges echtes Manko allerdings waren die schier endlosen Ansagen des Bandleaders Stefan Pellmaier, der ein bisschen zu full of himself und ermüdend unpointiert über seine Jugend im Blasorchester Freising oder die Entstehungsgeschichten einzelner Luz-amoi-Nummern referierte und sich dabei offenbar selbst am unterhaltsamsten fand. Ein paar Mal zu oft betonte er, dass man dieses oder jenes Traditional „mal ganz anders“ darbieten würde, und wenn es dann zum wiederholte Male heißt: „Mir ham uns denkt, z’erst fang ma ganz bayrisch o, und na schleicht se sowas Irisches ein…“, oder die sehr banale Genese eines Udu-Drum-Arrangements wortreich dargelegt wird, dann entzaubert das den an sich hervorragend dargebotenen Stilmix eher, als dass es ihm irgendetwas Erhellendes hinzufügen würde. Nicht reden, machen!

Zumal es nun auch keine Idee von so ganz Einsteinscher Größe mehr ist, einen Landler zu verjazzen oder einen Zwiefachen so zu spielen, dass er nicht nach Zwiefachem klingt. Haindling feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bühnenjubiläum, Hubert von Goisern ist auch schon gut 20 Jahre unterwegs, und von den diversen stilistisch noch näherstehenden Jodelwahnsinn-Biermösl-Bagage-Combos wollen wir gar nicht erst anfangen. Womit Luz amoi weder Eigenständigkeit abgesprochen noch Ideenklau vorgeworfen werden soll. Im Gegenteil: was die jungen Herrschaften da machen, hat durchaus eine eigene Qualität – und leidet aber gerade deswegen ein wenig unter diesem etwas zu penetrant gespielten „Hamsenochnichgesehn“-Gestus. Oder anders: Die nachwachsende Generation der Neuen Volksmusiker hat es keineswegs nötig, sich auf die Altvorderen zu berufen. Aber sie sollte auch nicht so tun, als hätte sie eben erst das Rad erfunden.

Gute Musik braucht nicht viele Worte. In diesem Sinne: Lasst das Blabla und spielt dafür lieber ein, zwei Stücke mehr. Dann hört man noch lieber zu.

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