Orakeling

von amfenster

Das hier habe ich vor ein paar Wochen geschrieben, immer mit einer Veröffentlichung im Hinterkopf – und jetzt bin ich doch zu spät dran, Teufel noch eins. Aber trotzdem…

Mag sein, dass ich allein auf weiter Flur stehe, aber:  Ich bin dagegen, dass Hape Kerkeling „Wetten, dass..?“ übernimmt.

Es stimmt ja: Rein vom persönlichen Format, von der Professionalität und vom Glamourfaktor her ist er wohl der einzige, der annähernd Gottschalks Fußstapfen ausfüllen könnte – und dem man ein anderes „Wetten, dass..?“ zugestehen würde. Und dass er es besser könnte als Pilawa o.ä., ist eh klar.

Trotzdem, ich sehe ihn nicht als Showmaster. Zweifellos könnte er einen Showmaster darstellen – wahrscheinlich sogar so gut, dass er damit durchkäme. Aber er ist es nicht. Und wer länger als eine Sekunde darüber nachdenkt, sieht die Katastrophe ja schon kommen: Intendanten und Programmchefs werden sich in Kerkelings Glanz sonnen und irgendwas daherfaseln, dass der alte Dampfer „Wetten, dass..?“ jetzt wieder richtig flottgemacht wird und was der deprimierenden öffentlich-rechtlichen Promosprüchlein mehr sind.

Aber das wird nur der Anfang sein. Man wird „Wettten, dass..?“ auf Kerkeling zuschneiden wollen, ihm gottbewahre wahrscheinlich sogar Platz für seine Maskeraden und „Total normal“-Gedächtnis-Aktionen einräumen, wie sie bis jetzt in jedem erfolgreichen Kerkeling-Format in irgendeiner Weise durchexerziert wurden. Man wird merken, dass dieses nicht funktioniert und jenes nicht läuft, daran herumdoktern und irgendwann doch feststellen, dass in diesem Verbund weder Kerkeling noch die Show ganz bei sich selbst sein können.

Deswegen: Lieber jemanden nehmen, der mit einem egal wie facegelifteten „Wetten, dass..?“ garantiert überfordert ist und das Ding in Rekordzeit an die Wand fährt. Ein schneller und schmerzloser Tod, da mit keinerlei großen Erwartungen verbunden. In die Fernsehgeschichte würde das als etwas unerquickliches und glanzloses, aber nicht weiter bedeutendes Nachspiel einer großen, sehr großen Geschichte eingehen.

Einem langsamen Dahinsiechen, nur um am Ende festzustellen, was ohnehin alle wissen – dass „Wetten, dass..?“ Thomas Gottschalk ist und Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?“ nämlich, und dass der eine vielleicht ohne das andere, das andere aber keinesfalls ohne den einen kann -, wäre das in jedem Fall vorzuziehen.

Ich nehme an, Herr Kerkeling ahnt das alles. Und ich hoffe, er handelt klug.

Er hat klug gehandelt. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.

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