Wiesnhendl

von amfenster

Im Volkston zu singen.

Wiesnhendl, armes Giggerl,
Spätes Hochzeitspfand vom Wiggerl,

Deine Zeit so knapp auf Erden
Sollte dir nur Mühsal werden.

Gschlüpft bist in a kleinen Box
Beim Geflügelaufzuchtsgsox.

Ein Jahr vorher schon bestellt
Und bezahlt für kleines Geld,

Frühbucherrabatt und so
Macht Wiesnwirte satt und froh.

Von der Welt hast net viel gseng,
Duster war’s halt, und recht eng.

Wachsen kann man nur schwer ohne
Sonne, deshalb gab’s Hormone.

Federn wuchsen dir nur schütter,
Für den Wiesngast nicht bitter.

Gilt sein Gaumenamüsement
Doch nur deinem braunen Teint.

Und um diesen zu erzielen,
Wirst du – eins nur unter vielen –

Dick mit Bratfett eingerieben.
Dann an Stock in’n Arsch nei’trieben,

Dicht an dicht am Spieß rotiert,
Und im Dirndl dann serviert.

Ob Australe, Italiener,
Isar- oder Echt-Athener,

Allen schmeichelst du die Kehle,
Arme kleine Hühnerseele.

Mit Zuckerwatte angereichert
Und Weizenbier dann aufgeweichert

Trägt man dich in die Achterbahn.
Die nächste Fahrt geht rückwärts dann.

Wiesnhendl, nur Verdruss
War dies Leben. Jetzt am Schluss

Liegst du – ein letztes Gloria –
Als Bröckerl am Fuß der Bavaria.

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