Jaja, nett

von amfenster

Es gibt einen Spruch, der bringt mich in Raketengeschwindigkeit auf die Palme. Er lautet: „Jaja heißt ‚Leck mich am Arsch'“ und ist ein an Dummheit und Einfältigkeit kaum zu überbietendes Kommunikationizid.

Angeblich stammt der Satz aus einem Werner-Film (schlimm genug), ich musste allerdings schon ernsthaft mit Leuten diskutieren, weil ich in schriftlicher Kommunikation unbedacht ein „Jaja…“ im Sinne von „Jaja, so ist das“ geäußert habe (also kein pampig-genervtes „Jaaa jaaa..!“ sondern ein fröhlich nichtssagend-versonnenes „Jajaaa…“), was mir mittels der zitierten Weisheit prompt als Unwilligkeit ausgelegt wurde, aus der ich mich daraufhin wortreich zu manövrieren hatte.

Es mag ja praktisch sein, Faustregeln zu haben, an die man sich halten kann. Und eindimensionales Denken hat sicher auch seine Vorzüge. Aber eine durch Kontext und Betonung mit ziemlich präzise geschätzt 3,52 Millionen verschiedenen Grundbedeutungen und Bedeutungsnuancen aufladbare Allerweltsphrase wie „Jaja“ mit einem dämlichen Cartoonzitat auf genau eine Bedeutung einschränken zu wollen und Mitmenschen, die differenziert in ihrer Muttersprache zu kommunizieren verstehen, wegen seiner eigenen Hirninflexibilität in sinnlosen Rechtfertigungsdruck zu bringen… – gaaaaaaaaaaah!

In diesem Zusammenhang wäre dann auch über „Nett ist die kleine Schwester von scheiße“ zu sprechen, mit dem arglosen Gesprächspartnern ja auch gerne die eigene Beschränktheit aufgepfropft wird, aber dafür reicht mein Furor im Moment nicht.

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