Wer im Wartesaal der Liebe steht *

von amfenster

Ich habe in letzter Zeit sehr viel Gelegenheit, mich über die Deutsche Bahn zu ärgern. Da ich aber weiß, wie öde und abgeschmackt diese Klagelieder sind, möchte ich an dieser Stelle lieber mal eine Liebeserklärung loswerden.

Am Münchner Hauptbahnhof gibt es eine Durchsagerin, die ich für vergötterungswürdig halte, ach was: die ich vergöttere. Wie genervt ich auch durch die Bahnhofshalle hetze – sobald ich sie höre, geht die Sonne auf.

Ihrer Stimme nach ist sie schon etwas älter, und mit ihrem leicht dunklen Timbre und ihren etwas altfrauenhaft klingenden S-Lauten vermittelt sie große Kompetenz und Gelassenheit, so à la „Glauben Sie mir, Kleines, ich habe in 35 Jahren schon viele Züge kommen und fahren sehen“. (Am ehesten erinnert sie mich an Marianne Koch, die Gesundheitsexpertin von Bayern 2, für die mir immer nur das Attribut „aufgeräumt“ einfällt und die, wie ich grade zu meinem großen Entzücken feststellen durfte, fast genauso aussieht, wie ich sie mir vorgestellt habe.)

Gestern kündigte die von mir so Verehrte eine Zugverspätung von „ca. 60 Minuten“ an, und sie tat das mit soviel Charme (genauer: einer Mischung aus Nachdruck, Autorität und Stoizismus), dass ich gar nicht mehr hätte bös sein können, wenn es denn meinen Zug betroffen hätte.

Auch heute abend war sie wieder im Einsatz, und ich überlegte ernsthaft, ob ich einmal zum ServicePoint gehen und nach ihrem Namen fragen soll, um ihr bei Gelegenheit einen Strauß Blumen zukommen zu lassen. Bis ich diesen Gedanken in die Tat umsetze, gilt Folgendes: Unbekannte DB-Frau, ich liebe Sie!
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* Deutsche Version des frühen Abba-Songs „Another Town, Another Train“.

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