Heart of Loudness

von amfenster

Tja.

Wehklagen erfüllt die Fußballspalten. Spieler könnten sich nicht auf dem Feld verständigen, heißt es. Kommentatoren berichten, sie seien bei der Arbeit dem Wahnsinn nahe, und der gemeine Zuschauer nölt, es komme – menno! – so gar keine rechte Fußballstimmung auf beim Kucken. Und warum? Weil der Neger statt zu trommeln und zu grölen lieber in seine Vuvuzela bläst. Soll das der Dank dafür sein, dass weißer Mann mit der ersten WM in Afrika den Kontinent gerettet hat?

Spiegel Online fährt gar eine regelrechte Anti-Vuvuzela-Kampagne, und erste Stimmen werden laut, die ein Vuvuzela-Verbot in den WM-Stadien fordern. Sepp Blatter verwahrt sich noch dagegen.

Nun habe ich die Vuvuzela als solche bis vor einigen Tagen für einen dummen Marketing-Gag gehalten, und dass hier allerorten seltsam geformte Plastikrohre feilgeboten werden, denen kaum ein anderer Ton zu entlocken ist als der eines sterbenden Rinds, ist wohl auch nichts anderes. Dass das deutsche Fußballpublikum wieder seine ganze proletige Mittelmäßigkeit demonstrieren würde, indem es die Verballhornung „Uweseela“ kreiert, war abzusehen und ist wohl ebenso hinzunehmen wie der Rest der vierwöchigen WM-Diktatur. Auch kann ich gut damit leben, dass Biergärten mit dem Slogan „Stimmung – yes! Vuvuzela – no!“ werben. Wenn Lärmbolde mit Lärmkritik zu Lärmveranstaltungen gelockt werden, finde ich das charmant und es soll mir nur recht sein.

Neu war mir, dass die Vuvuzela offenbar wirklich fester Bestandteil  afrikanischen Fußballbrauchtums ist. Umso unsäglicher ist es, wenn dieses Element aus einem Turnier, dessen diesmaliger Austragungsort mit besonders großem Pathos in Szene gesetzt wurde, verbannt werden soll, nur weil’s den feinen Herrschaften Europäern nicht ins GrillfleischSommermärchen passt.

Es ist doch inständig zu hoffen, dass die FIFA standhaft bleibt und kein Vuvuzela-Verbot ausspricht. Andernfalls müsste sie sich die Frage gefallen lassen, warum sie vor vier Jahren ein Schminkeverbot in den deutschen Stadien unterlassen hat.

Und weißer Mann wird sich daran gewöhnen müssen, dass eine WM das Gesicht des Landes  trägt, in dem sie stattfindet.

Update 14.06. Der Spiegelfechter sieht’s genauso.

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