Integration und Perfidie

von amfenster

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Notizbuch Folgendes festgehalten:

Das Wort „Integration“ ist eine Waffe. Die am lautesten danach schreien, sind diejenigen, die das genaue Gegenteil davon wollen, nämlich Aus- und Abgrenzung. Sie sagen „Integration“ und meinen „Assimilation“, weil sie nicht begreifen, dass „Integration“ beide Seiten meint und sie sich für echte Integration selbst verändern müssten.

Dahinter steht die Beobachtung, dass „Integration“ erstmal toll klingt, die Deutungshoheit darüber aber immer schön bei dem bleibt, der sie einfordert – und sich im Zweifelsfall immer darauf zurückziehen kann, sie ginge ihm nicht weit genug. Jeder noch so rechte Schrebergarten-Polemiker führt mittlerweile das so schön friedlich und freundlich und offen klingende Wort von der  „Integration“ im Mund – und meint damit garantiert was anderes. Nämlich: Die sollen sich anpassen. Die wollen sich nicht anpassen. Die sollen weg.

Nun hat Heribert Prantl diesen Gedanken in der Süddeutschen ausführlicher, aktueller und schöner formuliert. Ein Auszug:

[…]

Einwanderung verändert die Gesellschaft: Die meisten Deutschen haben es sich bisher nicht bewusst gemacht, wie tief diese Änderung geht. Wir Altbürger haben, als uns klar geworden ist, dass die meisten Einwanderer nicht mehr in ihre alte Heimat zurückkehren, mehr oder weniger fordernd auf deren Integration gewartet und geglaubt, wir erbrächten unsere eigene Integrationsleistung schon damit, dass wir Dönerkebab essen.


Aber der Umsatz der ausländischen Gaststätten in Deutschland ist kein Gradmesser für Integration. Integration ist viel mehr als die Addition der Dönerbuden in den deutschen Fußgängerzonen. Integration ist mehr als das In-sich-Hineinstopfen von Dingen, die einem schmecken, und sie ist mehr als die Annahme von Leistungen, die man gerade braucht.

[…]

Dies ist ein Lesebefehl.

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