Antisemitislamophobie (II)

von amfenster

Diese Meldung ging gestern durch die Presse: eine Kieferorthopädin lehnt die Behandlung eines jugendlichen Patienten ab, weil er Cihad heißt.

Man könnte das Ganze als amüsante Anekdote abtun. Könnte sich zu Sarkasmen hinreißen lassen wie dem, dass man sich als aufgeklärt-säkularer Agnostiker auch nicht von einer Ärztin behandeln lassen möchte, deren (leicht zu ergoogelnder) Vorname „Gott des Schwurs“ bedeutet. Könnte Listen erstellen mit gut teutschen Namen fraglichen Gehalts. Könnte sich über die dümmliche Dreistigkeit lustig machen, mit der die Dame die zukünftige Behandlung Cihads nun von der der Namensvergabe zugrundeliegenden Gesinnung seiner Eltern abhängig macht. Könnte vielleicht auch – etwas ernsthafter – die Frage stellen, wo wir denn leben, dass jemand noch nicht einmal wegen des Klangs oder der sozialen Zuschreibungen (Stichwort „Kevin“) seines Vornamens stigmatisiert wird, sondern wegen dessen Bedeutung (die abzufragen man sich, nebenbei bemerkt, auch erstmal nicht entblöden muss).

Was man nicht alles könnte, wenn die laut schrillenden Alarmglocken einen nicht davon abhalten würden. Denn wo ist der strukturelle Unterschied zwischen Cihad und Sara, wenn die reale Benachteiligung, die jemandem widerfährt, einzig und allein mit dem Tragen eben dieses Namens begründet wird? Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung  an der TU Berlin und damit m.E. einer seriösen Einordnung fähig, weist einmal mehr auf diese erschreckende Parallele hin.

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