Aufschreie einfordern

von amfenster

„Wo bleibt der Aufschrei der Muslime“ anlässlich des Attentats auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Westergaard, fragt Spiegel Online scheinheilig im Namen seiner Leser.

Wieder ein bekanntes Muster:  Muslim sein ist aus Sicht der Islamophobiker in allererster Linie ein Auftrag, sich von islamistischen Gewaltakten zu distanzieren, und dass sie das nicht tun, sagt ja wohl alles, und der Beweis für die Brutalität und Gefährlichkeit des Islam wäre wieder mal erbracht. Ein kühnes Konstrukt.

Nun bin ich ja kein Muslim, aber es wäre mir doch zu doof, jedesmal mit Friedensfahnen zu jonglieren, wenn wieder irgendwo einer im Namen Allahs durchgeknallt ist.  Dass meine Friedfertigkeit  nicht bis zum Beweis des Gegenteils vorausgesetzt, sondern ihr demonstratives Vor-mir-her-Tragen erwartet wird,  ist doch der eigentliche Skandal.

Muss ich mich als Nenn- und Steuerkatholik denn etwa dafür rechtfertigen, wenn in den USA Abtreibungsärzte erschossen werden? Wird da gefragt, wo der Aufschrei „der“ Christen bleibt?

Fragt denn überhaupt jemand „die“ Muslime, über deren Schweigen man sich beklagt? Vielleicht ist ja das Entsetzen in den Hinterhof-Moscheen (ins Vorderhaus lässt man die, deren Integration man fordert,  ja nicht) groß.  Weiß man’s?

Und wo wir schon von Christen sprechen: Der Politblogger hat ein paar schöne Beispiele dafür zusammengetragen, wie entspannt Christen reagieren können, wenn es um die künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer Nahost-Religion geht. Ein Spaß.

Update. Ein treffender Kommentar im Forum von Spiegel Online: „Die“ Muslime, aber nie „die“ Christen?

Update 22.02. Link-Aktualisierung wegen Umzug des Politbloggers

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