Aus dem christlichen Abendland

von amfenster

Mit einem  angeblich christlich-abendländischen Kulturraum zu argumentieren, ist ja kein Novum der aktuellen Minarett-Debatte, sondern gehört im Kampf unserer bürgerlich-aufgeklärten Gesellschaft  gegen den pösen Islam fest zum Arsenal. Nun stieß ich aus einem Anlass, der hier nicht erläutert werden muss, auf eine interessante Anekdote aus der neueren Geschichte der Stadt Fürth.

Dort konnte sich die katholische Minderheit erst 1911 auf jahrelangem Amtsweg das Recht erstreiten, eine Fronleichnamsprozession abhalten zu dürfen. Zuvor war dieses Ansinnen mehrfach mit der Begründung abgeschmettert worden, so etwas sei im evangelischen Fürth „nicht herkömmlich“.

Soviel zur Frage, ob Minarette zwischen die Alpen passen,  soviel vor allem aber zum „United we stand“ der abendländischen Christenheit.

Dass es auch anders geht, bewies einige Jahrzehnte zuvor der Fürther Kaufmann Johann Leonhard Büttner. Selbst protestantisch, spendierte er 1826 der neu erbauten katholischen Pfarrkirche eine Glocke mit der Inschrift: Aus Achtung der Religion ohne Rücksicht des Glaubensbekenntnisses.

Kann man Glocken unterschreiben?

Dank an Barbara Ohm und ihr Buch „Fürth – Geschichte der Stadt“

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