Von der Dummheit des Christenmenschen

von amfenster

Ich verfüge im Moment weder über Zeit noch Nerv noch Hirnschmalz, um einen ausführlichen und fundierten Beitrag zum Thema Minarett-Verbot abzuliefern – auch wenn ich durchaus das habe, was der Engländer strong opinions nennt.

Nur so viel:  das dümmste Argument, mit dem das Minarett-Verbot auch hierzulande aus der Mitte der Gesellschaft heraus beklatscht wird, ist doch das, Christen dürften in muslimischen Ländern auch keine Kirchen bauen.

Zum einen ist zu fragen, was hier lebende Muslime damit zu tun haben, und warum ein vor vierzig Jahren eingewanderter oder vor zwanzig Jahren hier geborener Türke mit dafür in die Haftung genommen wird, was im Iran oder in Saudi-Arabien passiert. „Die muslimischen Länder“, schon klar, pff…

Zum anderen haben „die“ muslimischen Länder nun erst recht allen Grund dazu, den Bau christlicher Gotteshäuser zu untersagen. Oder wie es Alfred Dorfer alias Kurt Fellner im Film „Indien“ formulierte: „Das is Ihr Niveau, Herr Bösel!“

Und schließlich muss ich dem Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser beipflichten, wenn er im Interview mit der Frankfurter Rundschau sagt:

Ich wundere mich auch immer, wie plötzlich wieder viele Deutsche Christen werden, wenn es um die Abwehr nichtchristlicher Vorstellungen und Religionen geht.

Und möchte allenfalls ergänzen: „…und wie gut plötzlich alle über die ja sicherlich nicht einfachen und vermutlich auch von Land zu Land unterschiedlichen Zustände in der muslimischen Welt informiert sind.“

Update: Na wer sagt’s denn. Heute nimmt sich auch Spiegel Online des Themas an, bezeichnet die hier von mir zerpflückte Argumentation zurecht als „bizarr“, spricht ebenfalls die Unterschiede der islamischen Länder in ihrem Umgang mit Christen an und kommt zu dem Schluss: „Es hilft keinem Christen in Kairo, wenn in Winterthur kein Minarett mehr gebaut wird.“

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