Nicht süß, nicht sauer, oder: Lassts mer doch mei Ruh!

von amfenster

Die Debatte, ob wir Amerika vor jeder Haustür brauchen […], ist genauso ermüdend wie das grelle Gehopse und Gekreische selbst. Halloween ist als Brauch, oder wie auch immer man diese Variante marktgesteuerten kollektiven Verhaltenskonformismus nennen mag, so interessant wie yesterdays papers.

Sabine Doering-Manteuffel, Zeichen vom Fliegengott, in: Zeitschrift für Volkskunde 97 (2001), S.284

Ja, Halloween ist doof.*

Ja, Halloween nervt.**

Ja, Halloween ist ein angloamerikanischer Brauch, der nach erfolgter Durchkommerzialisierung nach Europa (re-)importiert wurde.***

Nein, das Spinnennetz-und-Kürbis-Spektakel ist kein seit Jahrhunderten oder gar -tausenden bei ‚uns‘ ansässiges Brauchtum.****

Das alles ist bekannt und so banal, dass man es nicht andauernd mit der großen Geste des Wissenden vor sich hertragen muss. Das alljährliche Gegreine über den bösen Halloween-Kommerz nervt inzwischen genauso wie das gleichfalls alljährlich wiedergekäute Ammenmärchen, der Weihnachtsmann sei von Coca-Cola erfunden worden.

Deshalb bitte damit aufhören!

Und was die Unterscheidung zwischen ‚gutem‘ und ’schlechtem‘ Brauchtum angeht: ob ich nun Ende Oktober von kleinen Hexen oder Anfang Januar von kleinen Schuhcreme-Königen vom Sofa geklingelt und an meiner Haustür um Süßigkeiten und/oder Geld erpresst werde, ist mir persönlich wurscht.

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* So wie Mario Barth, Sketchup oder Kopfweh.
** So wie Mario Barth, Sketchup oder Kopfweh.
*** So wie McDonald’s, Wellness, Musicals und ca. einskommasieben Millionen weitere erfolgreiche Geschäftsideen, die ‚drüben‘  ihren Anfang genommen haben.
**** So wie der Muttertag, die Schultüte oder der Adventskranz.

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