Public Viewing

von amfenster

So, das Sommermärchen 08 fand sein Ende in einer Gewitternacht, Deutschland ist gottlob nur Vize-Europameister, und wir können unsere Aufmerksamkeit vom deutschen Fußball nun zur Abwechslung mal wieder auf die deutsche Sprache verlagern. Da gibt es nämlich nach den zurückliegenden EM-Wochen dringend was zu klären.

An allen Ecken und Enden lauerten in den letzten Tagen und Wochen besserwisserische Gestalten, die mit dem vermeintlichen Spezialwissen auftrumpften, das dank EM allgegenwärtige Schlagwort Public Viewing bedeute im Englischen ‚Leichenschau‘. (Die Freude darüber, ausnahmsweise mal nicht die uralte Geschichte vom Handy erzählen zu müssen, das ja gar kein englisches Wort sei imenglischenheißtdasnämlichcellphoneodermobile *schnarch*, stand ihnen dabei förmlich ins Gesicht geschrieben.)

Um es kurz zu machen: nein, das stimmt nicht. Oder nur zum Teil. Public Viewing bedeutet das, was jeder, der einen noch so rudimentären Englischunterricht genossen hat, sich von selbst erschließt: irgendwas kann öffentlich (public) besichtigt werden (viewing). Das kann durchaus a Leich‘ sein, muss aber nicht.

Auf einem noch anderen Blatt steht, dass es im Prinzip völlig wurscht ist, was Public Viewing im Englischen bedeutet. Im Deutschen heißt es eben ‚Übertragung eines Fußballspiels an einem öffentlichen Ort‘, Punkt. Sich da mit dem Wissen um angebliche „eigentliche“ Bedeutungen dicke zu tun, ist peinliches Bildungsbürger-Gehabe: Man weiß halt auch mal was, und das sollen alle wissen, und wer’s nicht glaubt, ist doof.

Das, wie gesagt, nur in aller Kürze. Ausführlicheres zum Thema im Bremer Sprachblog.

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