Der Kurt

von amfenster

Der Kurt ist Augsburger. Grund genug für die Augsburger CSU, den Kurt in Ermangelung geeigneten Personals in den eigenen Reihen als OB-Kandidaten zu casten. Doch nicht nur an einer erfolgversprechenden Besetzung gebricht es der Partei, sondern auch an Konzepten. Und so verfiel man der Idee, den amtierenden, durchaus beliebten und erfolgreichen OB Wengert (SPD) wegen seiner Nicht-Augsburger Herkunft anzuschwärzen. Unter dieser Prämisse konnte es also nur einer ins Finale schaffen: der Kurt. Der Augsburger.

Dass er bei öffentlichen Auftritten immer ein bisschen wirkt wie ein aufgeregter Schulbub – egal. CSU-Mitglied ist er auch keins, aber das ist nicht so schlimm. Er ist Augsburger, und das allein zählt, denn für „den Augsburger“ ist es jetzt Zeit – laut Wahlplakat.

Doch der Kurt hat was, was andere Augsburger nicht haben, nämlich einen gewaltigen Werbeetat im Rücken. So sehen wir ihn auf Plakaten, in Anzeigen, Broschüren und im Internet nur bestens ausgeleuchtet und professionellst in Szene gesetzt. Sogar einen eigenen Klingelton hat er, der Kurt. Es könnte alles so schön sein.
Leider ist es der Kurt selbst, der gegen diese seine schöne Glitzerinszenierung immer und immer wieder Sturm läuft – mit seinem Mangel an Ausstrahlung, Charisma und Eloquenz, mit dem Fehlen jeglicher erkennbaren Lust an der politischen Debatte. Was nützen Photoshop und Rollerfotos (ohne Helm, der Rabauke!), was webTV und myspace-Profil, wenn am Ende doch immer nur der Eindruck einer Sprechpuppe bleibt und man sich allenfalls fragt, ob da die Jim Henson Company am Werk war oder doch nur Familie Marschall von der Augsburger Puppenkiste. Schon schad‘ um das schöne Geld, das die Werber von team m&m fürs hochprofessionelle, aber vergebliche Ziehen aller Register einstecken. Letztlich bleibt es bei der Botschaft: der Kurt ist Augsburger, und das muss reichen.

Wenn der Kurt mal was anderes macht als einfach nur Augsburger zu sein, endet das regelmäßig in einem Desaster.

Jugendpolitik sei ein ganz heißes Eisen, hat ihm wohl jemand gesagt, und so hat der Kurt flugs eine sogenannte „Popkommission“ ins Leben gerufen. Was die ist oder macht oder machen soll, weiß keiner so genau, und dafür, dass immer wieder beteuert wird, die Kommission sei kein Wahlkampfinstrument, redet der Kurt ganz schön viel von ihr. Womit er allerdings ziemlich alleine dasteht. In der DDR gab’s sowas ähnliches übrigens auch, da hieß das „Komitee für Unterhaltungskunst“, und warum sich nun gerade der CSU-Kandidat aus dem Fundus der sozialistischen Kulturpolitik bedienen zu müssen glaubt, weiß wohl nur er allein. Und vielleicht noch sein Kopfkissen in Kriegshaber, in das er, der Augsburger und außerdem Retter der heimischen Popkultur, heimlich weint, nachdem er bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion mal wieder über dem Namen „Anajo“ zu Fall gekommen ist. Womöglich ahnt er, dass er bei seinen Einlassungen zum Thema Jugendkultur an den sprechenden Hund von Loriot erinnert: „Er weiß doch nicht, was er da sagt…“

Was wird wohl aus dem Kurt werden, nach dem 2. März, dem Tag der Kommunalwahl? Wird er wie angekündigt in die CSU eintreten? Wird die ihn überhaupt noch haben wollen, wenn er sich nicht als die erhoffte Lichtgestalt entpuppt hat? Man weiß es nicht, und eigentlich ist es auch egal. Bleiben wird die Erinnerung an einen rechtschaffenen Mann, der sich aus unerfindlichen Gründen bereitwillig als Wahlkampfmaschine verheizen ließ, und der einem in seinem erfolglosen Bemühen um eine gute Figur manchmal fast schon ein bisschen leid tun konnte. Er ist und bleibt halt Augsburger, der Kurt.

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