Am Fenster

Leviticus Reloaded

¹Behold!, he who hath a Herschel rucksack shall be forever lost and condemn’d to Flaming Hell, ²for the Lord shan’t re-cognise him any more and can not knowe His sheep amongst the flock.

³However he who hath not a Herschel rucksack, this lone man shall be saved and see the Heavenley Kingdom, for the Lord in His Good-ness will find him, and blesse him.

(Ja, ich mach jetzt in apokryph.)

Morgen Augsburg?

Der Fall „Theatersanierung in Augsburg“ dürfte zumindest in seinen Grundzügen soweit bekannt sein, dass ich ihn hier nicht exponieren muss. Trotzdem ganz kurz zusammengefasst: jahrzehntelange Vernachlässigung / Ruine / Sanierung teuer / Schulden unvermeidlich / Wutbürgerbegehren.

Hinter dem Bürgerbegehren steht die in diesem Zusammenhang erstmals in Erscheinung getretene „Initiative kulturelle Stadtentwicklung Augsburg“, repräsentiert von altbekannten und verdienten Augsburger Kulturmachern wie Kurt Idrizovic, Peter Bommas und Franz Fischer. Diese mühen sich mit eher mittelmäßigem Erfolg, das Bürgerbegehren als seriöse Alternative zu den städtischen Planungen und als außerparlamentarische Oppositionsarbeit zu einer Alternativlos-Politik der Dreierkoalition im Stadtrat zu verkaufen.

Ich halte ihr Auftreten oft für unglücklich und ihre Argumente für schwach bis falsch – aber das ist demokratischer Meinungsstreit. Man kann auch durchaus über die Partikularmotivationen der einzelnen Protagonisten (Buchhändler, freier Kulturmanager, Kinobetreiber…) spekulieren, aber eine grundsätzliche Integrität mag ich ihnen gar nicht absprechen.

Umso unverständlicher ist es, was auf der Facebook-Seite des Bürgerbegehrens abgeht. Ich weiß nicht, wer diesen Auftritt verantwortet – die bekannten Sprecher der Initiative können es eigentlich nicht sein. Die sind (zumindest was Idrizovic und Bommas angeht) eloquent und bemühen sich wenigstens so zu tun, als hätten sie Argumente.

Nicht so bei Facebook. Dort herrscht ein dümmlich-trotziger Tonfall vor, der sich jeglicher inhaltlichen Auseinandersetzung verweigert, der Sachargumenten noch nicht mal widerspricht, sondern sie allenfalls maulig kommentiert oder gleich ganz ignoriert, und dem kein Detail zu blöde ist, um daran einen Mini-Skandal hochzuziehen.

Hier mal nur ein paar kleine, lückenhafte Einblicke:

• die seit 2014 an der Fassade des Großen Hauses hängende Leuchtschrift, auf der derzeit auch der „TheJater“-Schriftzug (quasi das offizielle Pro-Sanierungs-Logo des Theaters) eingeblendet wird, wird als „Werbepower gegen uns“ beklagt, verbunden mit der Frage, warum nicht „die gleich [!] Energie zum Verschönern ihrer Werkstätten“ verwendet würde; die von mehreren Kommentatoren (u.a. von mir) vorgebrachte Information, dass die Leuchtschrift vom Verein „Theaterfreunde Augsburg“ finanziert wurde, hatte dann die Forderung zur Folge, dass diese doch selbst „einen Pinsel in einen Eimer Farbe stecken und die Wände […] streichen“ sollen; aktueller Tiefpunkt dieser Auseinandersetzung sind die Kommentare: „Faule haben immer eine Ausrede“ und „Ha ha“. All dies – man muss es nochmal betonen – auf der offiziellen Facebook-Seite des Bürgerbegehrens „Neues Theater Augsburg“, unter dem Logo der „Initiative kulturelle Stadtentwicklung Augsburg“, die mit dem Instrument Bürgerbegehren politischen Einfluss geltend machen will.

• die SZ-Schlagzeile „Feuerwehr-Chef will Stadttheater am liebsten zusperren“ wird kommentiert mit „Warum macht er es nicht?“ – Überflüssig zu erwähnen, dass die Antwort auf diese Frage im Artikel stehen würde.

• dass die Kongresshalle nach 44 Jahren (!) eine neue Bestuhlung bekommt (was laut verlinktem AZ-Artikel „auch damit zu tun [hat], dass die Kongresshalle ab Herbst 2017 als Interimsspielstätte für das Theater Augsburg benötigt wird“), wird skandalisiert und allein dem Theater angelastet. Wozu auch zwischen Grund und Anlass unterscheiden?

• die Betreiber der Seite lassen „einen Freund“ den Vorschlag äußern, aus dem Theater „ein Museum“ zu machen und „woanders“ einen Neubau mit „Aufsehen erregender architektonischer Gestaltung“ zu errichten, stellen dies explizit „zur Diskussion“ – sehen sich dann aber nicht in der Lage, die alleroffensichtlichsten Fragen zu beantworten wie: Was denn für ein Museum? Unter welcher Trägerschaft? Inwiefern löst das das bauliche Sanierungsproblem? Wo sollte ein Theater-Neubau stehen? Und wie sehr wird sich der gemeine Augschburger über „Aufsehen erregende architektonische Gestaltung“ freuen, wenn ihm doch schon das denkmalgeschützte Stadttheater ein lästiger Klotz am Bein ist? (Der einzige und im Folgenden vollständig zitierte Diskussionsbeitrag der Seitenbetreiber lautete dann übrigens: „Ein Museum braucht nicht die Technik, z. B.“ Na dann.)

Äußerungen von Denkmalschützern werden als „sich einmischen“ bezeichnet – als sei es nicht deren Job, sich in genau so einer Situation einzubringen

• die Interimsspielstätte Kongresshalle wird in Frage gestellt, weil sie Geld kostet und in dieser Zeit nicht oder nur eingeschränkt für den Kongressbetrieb zur Verfügung steht – ganz so, als seien andere Lösungen nie geprüft worden und vor allem: als würde eine alternative Planung (gleich ob günstigere Sanierung oder Abriss des Großen Hauses) keine Interimslösung nötig machen, als seien diese Kosten also vermeidbar

• Helmut Gier, ehemaliger Leiter der staatlich subventionierten 2012 vom Freistaat Bayern geretteten Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, möchte sich erstmal ganz grundsätzlich über das deutsche Subventionstheater unterhalten. Da möchte man eigentlich nur „Guten Morgen“ wünschen.

• das Theater Gütersloh wird als leuchtendes Vorbild präsentiert – in der 96.000-Einwohner-Stadt war das Theater seit 1949 in einem Nachkriegsprovisorium untergebracht, der Neubau hat 530 Sitzplätze – dass der Fall also in so ziemlich keiner Hinsicht mit Augsburg vergleichbar ist, liegt auf der Hand

• es wird darauf hingewiesen, dass auch das alte Theater in der Jakobervorstadt im 19. Jh. abgerissen und durch das jetzige Theater ersetzt wurde. Subtext: Ging ja schon mal, machen wir’s doch genauso, früher hat man sich auch nicht so angestellt. Wie das mit dem offiziellen Bekenntnis der Initiatoren zum Theater und sogar zur Theatersanierung (die halt nur billiger sein müsste) zusammengeht – man weiß es nicht.

• die Denkmalwürdigkeit des Theaters wird in Frage gestellt, weil das Erscheinungsbild der Fassade auf einen persönlichen Planungswunsch Adolf Hitlers zurückgeht – denn nicht nur der „Spiegel“ weiß: Hitler geht immer.

• ich selbst wurde, da ich mir auf Facebook in einem Anfall digitaler Paranoia schon vor Jahren ein Pseudonym zugelegt habe, anstelle einer inhaltlichen Antwort gefragt, warum ich mich „nicht zu erkennen“ gäbe und was ich denn „zu befürchten“ hätte (Posting inzwischen offenbar gelöscht, meine Antwort gibt es noch). Dass mir dies anonym im Namen des Bürgerbegehrens vorgeworfen wurde, ist natürlich fast schon wieder komisch.

Das ist also das Niveau, auf dem sich das Bürgerbegehren „Neues Theater Augsburg“, auf dem sich die „Initiative kulturelle Stadtentwicklung Augsburg“ bei Facebook präsentiert. Man könnte wohl noch ewig so weitermachen und versuchen, irgendwo einen konsistenten Standpunkt  zu orten. Das alles mit den öffentlichen Auftritten der Initiatoren des Bürgerbegehrens, mit ihrem grundsätzlichen „Ja zum Theater“ und mit den von ihnen vorgetragenen Argumentationsversuchen ein Einklang zu bringen, wäre dann noch eine Extra-Fleißarbeit.

Ich weiß wie gesagt nicht, wen sich die Herren Idrizovic und Bommas da als Social-Media-Beauftragen angelacht haben. Aber ich hoffe, sie wissen es wenigstens selbst.

Lindenstraße will eine Chance*

Sehr geehrte Damen und Herren,

zuerst ein persönlicher Disclaimer an den_die Empfänger_in in der Zuschauerredaktion: ich weiß, Sie können so gar nichts dafür, und ich bitte für alles Folgende um Entschuldigung. Mein Ärger gilt nicht Ihnen, sondern den Programmverantwortlichen. Der aber hat es in sich und beginnt… jetzt:

Bereits zweimal in Folge ist die Lindenstraße nun aus dem Hauptprogramm gekickt worden, wegen eines – natürlich völlig unvorhersehbaren, unplanbaren – Ereignisses wie der Handball-WEM.
Standardantworten wie „deutsche Mannschaft im Halbfinale“ und „Handballfieber“ und „besondere Umstände“ ersparen Sie bitte mir und sich selbst.

Als Stammzuschauer der Serie ist man ja inzwischen Kummer gewöhnt: Ausstrahlungen werden verschoben, mehrere Folgen im Jahr entfallen ganz, und irgendwann fehlt einem dann doch die Energie, sich noch so richtig darüber aufzuregen. (Gleichwohl bleibt der Sender nach wie vor eine Erklärung schuldig, warum sich kein Ausweichtermin im Nachmittags- oder Abendprogramm finden soll, wie das in früheren Jahren auch dann noch möglich war, wenn Bundestagswahl, WM-Finale, Papstwahl und Flutkatastrophe auf einen Sonntag fielen.) Fast könnte einem scheinen, die ARD setze auf genau diesen Zermürbungseffekt. Aber diesmal ist das Maß wirklich übervoll.

Die Verantwortlichen bei der GFF mühen sich – in Ihrem Auftrag! – redlich, um interessanten, spannenden, unterhaltsamen Inhalt für Ihr Programm herzustellen, und gerade in letzter Zeit gelingt ihnen das in einem Maß, das selbst langjährige Serienfans wie ich kaum noch für möglich gehalten hätten. Der Dank dafür ist, dass der Sender die Sendung ins Einsfestival- und Mediatheken-Nirwana abschiebt und die Kunde davon gleich ganz den digitalen Buschtrommeln überlässt.
Auf noch impertinentere Weise kann man seinem Dienstleister – und der Zielgruppe, nämlich uns Zuschauern – wohl nicht ins Knie schießen.
Darüber hinaus macht mich die offenbar grenzenlose Wurschtigkeit des Senders gegenüber dem von ihm selbst in Auftrag gegebenen und von ihm (also den Zuschauern) bezahlten Programm doch einigermaßen fassungslos.

Vielleicht sollten Sie auch einfach noch einmal genau darüber nachdenken, was die Attraktivität einer (Langzeit-)Serie ausmacht: die Zuschauer wollen Geschichten, Handlungsbögen – und die Gewissheit, dass sie das an einem festen Sendeplatz bekommen. Dann schalten sie ein, und die ARD hat Quote. Einfach,  oder?
Das kann aber nicht funktionieren, wenn diese Verlässlichkeit immer und immer wieder torpediert wird. (Und ich rede hier ausdrücklich nicht von gelegentlichen Ausnahmen, die gibt es immer wieder mal und das ist ja auch nicht schlimm.)

In der diese Woche ausgefallenen Folge 1566 wurde ein großer Handlungsstrang aufgelöst, der mit dem Tod der Figur „Erich Schiller“ in der Jubiläumsfolge 1559 begann und durchaus das Potenzial gehabt hätte, verlorene und neue Zuschauer (wieder) zu gewinnen. Diese Chance haben Sie durch Ihre mehr als täppischen Programmentscheidungen verspielt und verpuffen lassen.
Und ist es eigentlich nicht unendlich traurig, dass ich als dahergelaufener Zuschauer Ihnen erklären muss, was in dem von Ihnen verantworteten Programm eigentlich passiert? Sie wissen es ja anscheinend nicht – oder wenn, dann ist es Ihnen offenbar völlig egal.

Nun ist das Kind für dieses Mal mal in den Brunnen gefallen, und man kann nur noch versuchen, es halbwegs unbeschadet wieder herauszuziehen. Deshalb: strahlen Sie bitte die Folge 1566 am 07.02.2016 vor Folge 1567 im Ersten aus (oder besser noch in einem Triple mit Folge 1565, das können Sie dann sogar als ganz besonderes Serien-Event in Spielfilmlänge verkaufen!).
Und in Zukunft wäre es angezeigt, verschobene Sendeplätze, ausgefallene Folgen usw. klar und offen zu kommunizieren. Werben Sie ehrlich um unser Verständnis, dann bekommen Sie es auch.

Und eins noch: wenn irgendwann einmal beschlossen werden sollte, dass die Lindenstraße nicht verlängert wird, dann kommen Sie bloß nicht mit dem Argument, die Serie stieße auf zu wenig Zuschauerinteresse. Die Zuschauer sind da – Sie hätten dann nur versäumt, ihnen das Programm zu liefern.

Statt freundlicher Grüße zum Abschied stellen Sie sich an dieser Stelle bitte die Abspannmelodie der Lindenstraße vor.
Wir sind eins.

T.G.

_____

* Mein erster Offener Brief!

 

Update 31.01. Danke an alle, die diesen Beitrag geteilt haben. It’s very much appreciated!
Natürlich kann, darf und sollte jede_r selbst Lärm bei der ARD machen. Hier geht’s zur Zuschauerredaktion.

Zerkratzte Türen, gebrochene Herzen

Lindenstraße-Folge 1559. Eine Nachbetrachtung

• Viel zu schnell vorbei.

• Das Live-Experiment klappte hervorragend. Besonders beeindruckend, wie sie es geschafft haben, die Folge praktisch genauso aussehen zu lassen wie eine herkömmlich aufgezeichnete und die Serien-Bildsprache auch unter Live-Bedingungen zu produzieren. Man möchte sich fast wünschen, dass fortan immer live gespielt wird (und ermahnt sich sogleich selbst, dass dann ja das Besondere dahin wäre).

• Die Spatzen haben natürlich schon vorher von den Dächern gepfiffen, dass jemand sterben wird, und es gab auch Hinweise, wen es treffen würde, aber grundsätzlich: In einer Jubiläumsfolge jemanden umzubringen, ist ganz schön garstig.

• No more Erich – ein sehr gewöhnungsbedürftiger Gedanke.

• Der Vorschautrailer war ja mal sowas von Fake.

• Kaum von mir gewünscht, gab’s auch schon eine „Schwarze-Raben“-Variation: diesmal verbrannten die Plätzchen bei Nico Zenker.

• Einen (sehr hübschen!) Weihnachtsmarkt auf der Straße aufzubauen, auf dem all jene Figuren platziert werden, für die diesmal leider keine Handlung übrig war, ist natürlich eine etwas simple Masche, um „das ganze Ensemble!“ in der Jubiläumsfolge unterzubringen.

• Mein Tipp: Hajo war’s.

Das Jubiläum

Es ist soweit: die Lindenstraße wird 30! Nun gab es, um ganz ehrlich zu sein, schon mal entschiedenere Festtagslaune. Aber was soll’s – dieses Jubiläum ist naturgemäß größer als alle vorhergehenden und muss dementsprechend gewürdigt werden.

Ich möchte mit einem Wunschzettel gratulieren. Dreißig Wünsche zum Dreißigsten – höchst subjektiv, oft unrealistisch, manchmal albern, aber dafür von ganzem Herzen. Einmal Musik bitte… und los geht’s!

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1
Mehr Multikulti

Bei aller Linksutopie, die der Lindenstraße seit jeher gebetsmühlenartig als schlimmster vorstellbarer Makel  angekreidet wird, betrachtete sie die Welt doch immer ziemlich konsequent durch die biodeutsche Brille. Noch weit in den 1990ern etwa ließen die Autoren die Familie Zenker mit Strohhüten und riesigen Korbflaschen aus dem Italien-Urlaub zurückkehren, als hätte es gegolten einen 50er-Jahre-Schlager zu verfilmen. Der Südafrikaner David Motibe durfte zu „exotischer“ Buschtrommel-Untermalung durchs Treppenhaus laufen, und drei schwarze Komparsen im Akropolis ließ man (höhö!) „drei Helle“ bestellen.
Im Lauf der Jahre ist das alles etwas besser geworden, aber solange zum Beispiel Gung wie eh und je die Karikatur eines „Asiaten“ darstellen darf, bleibt wohl immer noch ein weiter Weg zu gehen. Ich wünsche mir vielfältigere Perspektiven und mehr multikulturelle Biographien.
Mit der Afrodeutschen Iris Brooks, deren Hautfarbe noch nicht ein einziges Mal thematisiert wurde, ist ein Anfang gemacht. Mehr davon! Mehr multikulturelle Identitäten! Mehr bunt!

2
Ein Gehirn für Enzo Buchstab

Für den Anfang täte es auch ein kleines gebrauchtes.

3
Eine neue Liebe für Tanja Schildknecht

Oder überhaupt mal wieder mehr Tanja Schildknecht.

4
Mut zur Hässlichkeit

Mach nicht alles so bunt„, soll Hans W. Geißendörfer seine Tochter Hana ermahnt haben, als er ihr die kreative Leitung der Lindenstraße übertrug. Der auf ein Jahr angelegte große Kulissenrelaunch, der pünktlich zum 30. abgeschlossen sein wird, geht wohl vor allem auf ihr Konto. In der Tat: die Lindenstraße sieht heute so gut aus wie nie zuvor.
Nun war eine schonungslose Uneleganz gerade in der Ausstattung immer eine heimliche Stärke der Serie. Der angeschrägte Glasschrank bei Schildknechts, die Wohnwand bei Beimers, das Plexiglas mit Goldrand bei Isolde Pavarotti, die Textiltapete bei Berta Griese – lange bevor Werbefuzzis das Durchschnitts-Wohnzimmer als créatives Fuzzi-Werkzeug entdeckten, war jede Wohnungsdeko in einer Art Mikro-Milieustudie liebevoll auf den jeweiligen Bewohner zugeschnitten. Heute dagegen hängt in praktisch jedem Raum ein 3m² großes Bild an der Wand (alternativ: streng geometrisch angeordnete Einzelbilder), und es sieht alles recht nach Möbelkatalog und „1000 tolle Wohnideen“ aus. Bei Mutter Beimer natürlich auf nicht ganz so stylishe Weise wie bei Angelina Dressler, aber die fein gezeichneten Unterschiede sind perdü. Das ist schade. Und: auch Möbelkataloge altern. Was es bedeutet, wenn die ganze Straße aussieht wie ein Einrichtungs-Blog von genau 2015, werden wir vielleicht schon beim 35jährigen Geburtstag wissen.

 

5
Die Rückkehr der Bianca Guther

Das wär doch mal was, nach 28 Jahren. Aber bitte solide eingefädelt und auf Dauer. Ein halbherziges „ihr-kriegt-mich-aber-nur-für-fünf-Drehtage“-Konstrukt wie das Comeback von Robert Engel letztes Jahr hat keinen Sinn.

6
Kamera stillhalten

Mag sein, ich bin konservativ. Aber ich halte eine permanent herumschwankende Wackelkamera – mag sie den Kreativen dahinter auch noch so „atmende“ und „filmische“ Bilder liefern – nun mal für modernistischen Kokolores. Man muss ja nicht zu der behäbigen Statik der frühen Jahre zurückkehren, in der dynamischere Bilder schon aus technischen Gründen schwer realisierbar waren. Aber das Stativ als solches war doch gar keine so doofe Erfindung.
Davon abgesehen gefällt mir die derzeitige Machart übrigens ziemlich gut.

7
Ein möglichst grausames Ende für Nico Zenker

Aber bitte bald und so, dass er dann auch ganz, ganz bestimmt mausetot ist und nie, nie, nie mehr wiederkommen kann.

8
Eine Musical-Folge

Wir haben in 30 Jahren ja schon so manche Absonderlichkeit überstanden – sei es der fünfminütige Gaga-Dialog des Ehepaars Kling während Benny Beimers Strom-Boykott, die wahnsinnig witzische Idee einer Alien-Invasion in der Lindenstraße zu Fasching 1999 oder gar „Ollilympia„. Von den Sangesambitionen der Lindensträßler mal ganz zu schweigen (Die „Mini Pigs„! La Pavarotti!). Jetzt wollen wir dafür aber einmal sinnlose und durch keinerlei dramaturgische Gegebenheiten gerechtfertigte Gesangsausbrüche – eine ganze Folge lang! Die unverhältnismäßig aufwendig und shmoov produzierten Songs gibt’s danach natürlich zum kostenlosen Download, eh klar.

 

9
Handlungsbögen statt Episoden-Dramaturgie, Geschichten statt Effekte

Darin war die Lindenstraße mal Meisterklasse. Nun, Borger & Straub werden nicht mehr zurückkehren – aber irgendwo da draußen muss es ihre Own True Heirs, ihre wahren und rechtmäßigen Erben geben. Findet sie, zimmert ihnen mit Sammet ausgeschlagene Sänften und zahlt ihnen ein fürstliches Gehalt auf Lebenszeit. Das jetzige Autorenteam darf als Exekutive natürlich bleiben.

10
Eine schicke Merchandise-Kollektion

11
Mehr Wertschätzung durch den Sender

Weniger Folgen im Jahr, praktisch keine Werbung mehr – es ist kein Geheimnis, dass die Lindenstraße vom Sender zunehmend wie ein Stiefkind behandelt wird. Das ohnehin etwas lieblos zusammengewürfelte Sonderprogramm zum – immerhin – 30jährigen wurde gar komplett auf den Digitalsender Einsfestival abgewälzt. Mehr Katzentisch geht nicht.
Liebe ARD, so kann das nicht weitergehen. Bitte etwas mehr Respekt vor einem alten Schlachtross!

12
Eine jüdische Familie

Jüdisches Leben fand in 30 Jahren Lindenstraße statt in Form einer KZ-Tätowierung von Enrico Pavarotti, die nur Anstoß war für die Holocaust-Bewältigung der Valerie Zenker (in deren Rahmen sie dann auch mal eine Synagoge besuchen und dort mit einem alten Herrn ins Gespräch kommen durfte) und einer Amerikanerin, die in der Kastanienstraße noch einmal ihr Elternhaus sehen wollte (vor dem dann Helga Beimer einen Stolperstein verlegen ließ). Das ist eine dürftige Bilanz.
Man muss nicht „Alles auf Zucker“ in der Lindenstraße nachstellen. Sollte man auch nicht. Aber eine Familie, die jüdischen Alltag ins Spiel bringt, ohne dass man daraus zwingend ein allzu großes Ding machen müsste – die wäre nach 30 Jahren mal mehr als überfällig.

13
Finger weg vom Witzisch-Sein

Das ging noch meistens in die Hose. Und, gerade neulich erst gelesen: „Witzig sein kommt gut, Witzigtun nicht“ (Frank-Markus Barwasser).

14
Kreativere Filmmusik

Ok, die orchestrale Easy-Listening-Soße des langjährigen Komponisten Jürgen Knieper braucht nun wirklich kein Mensch mehr, und der Ansatz, jeder Figur ein eigenes Thema zu geben, mit dem dann ohne dramaturgische Rücksichtnahmen ganze Szenen zugekleistert werden, ist wohl einfach nicht mehr state of the art – wofür man durchaus dankbar sein kann. Trotzdem wäre es schön, wenn das neue Komponistenteam hier und da mal wieder ein altes Knieper-Thema aufgreifen, damit spielen, irgendetwas damit anstellen würde… statt routiniert gesichtslose Einwegmucke zusammenzukloppen.

15
Schnell wieder weg mit dem neuen Logo

Pünktlich zum Jubiläum wurde peu à peu ein neuer, serifenloser Lindenstraße-Schriftzug lanciert – der einen fatalen Konstruktionsfehler hat: es dürfte in ganz München kein einziges Straßenschild geben, das so aussieht, DIN-Schrift hin oder her. Das alte Logo mag inzwischen ein wenig tantig daherkommen – aber sein Charme liegt ganz eindeutig darin, dass es ein nahezu authentisches Münchner Straßenschild ist. Ja: ist.

16
Für die Alteingesessenen: Geschichten statt Bestandsschutz

Es ist kaum zu übersehen, dass die Stars der ersten Jahre wohl mehr aus Pflichtgefühl und Serien-Heimeligkeit mitgeschleift werden denn aus echter dramaturgischer Notwendigkeit. Sicher, sie kriegen alle noch ihre an immer schütterer werdenden Haaren herbeigezogenen Episödchen oder dürfen als Stichwortgeber für das Jungvolk agieren, aber machen wir uns nichts vor: die Musik spielt längst woanders. Helga, Gabi, Andy, Carsten, Hajo, Vasily… sie haben im Grunde alles erlebt und stehen oft nur noch unbeholfen in der Deko rum. (Halbwegs rühmliche Ausnahme in der letzten Zeit: das Emil-Drama um Hans und Anna sowie Hans‘ Parkinson-Erkrankung; ganz schlimm dagegen seit Jahren: die Zenkers, also Andrea Spatzek und Jo Bolling, die ja eigentlich zur Genüge bewiesen haben, dass sie es besser können). „Auserzählt“ nennt man das wohl. Das ist schade und sollte sich ändern. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Gabi in religiösen Wahn verfällt und Carsten eine Tantra-Praxis eröffnet? (Oder umgekehrt?) Lasst euch was einfallen!

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Wieder mehr untertitelte Fremdsprach-Dialoge

18
Ein würdiger Off-Tod für Eva Sperling

Es war der Wunsch der im  Jahr 2000 verstorbenen Schauspielerin Inga Abel, dass ihre Rolle nach ihrem Tod weiterleben soll. Dem Wunsch haben die Autoren entsprochen und Dr. Sperling nach Afrika geschickt. Das ist nun über 15 Jahre her und die Sperling-Brothers Momo und Flip scheinen sich nicht einmal mehr daran zu erinnern, dass sie mal eine Mutter hatten. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Figur denselben Weg antreten zu lassen wie ihre Darstellerin.

19
Genau richtige Raben

Ein zünftiger Running Gag verträgt es, auch mal auf den Kopf gestellt zu werden. Deshalb: einmal, nur ein einziges Mal soll Helga Beimer ihre Plätzchen sekundengenau zum richtigen Zeitpunkt aus dem Backofen holen! Gerne pompös und voll auf die Zwölf in Szene gesetzt. Und danach darf es dann wieder Schwarze Raben geben bis in alle Ewigkeit.

20
Eine Lindenstraße-Hall-of-Fame

Jedes Jahr wird ein*e Schauspieler*in darin aufgenommen. Ich hätte da schon so meine Nominierungen für die ersten Jahrgänge. Manche werden es natürlich nie reinschaffen, auch klar.

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Eine wirksame Diät für Klaus Beimer

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Kein weiteres Aufwärmen der Sonia-Besirsky-Geschichte

Eintopf schmeckt gut, wenn man ihn öfter aufwärmt. Der Plan, die vor Jahrzehnten ins Jenseits gespritzte Sonia Besirsky zu rächen, ist kein Eintopf.

23
Wunsch-Joker

Für alle Fälle.

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Ewiges Leben für Doktor Dressler

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Nostalgie – aber richtig

In letzter Zeit greifen die Macher vermehrt zum Stilmittel der Rückblende: hallig-verwaschene SD-Schnipsel aus Uralt-Folgen signalisieren, dass sich eine Figur in der HD-Gegenwart gerade an frühere Zeiten erinnert. Damit spart man einerseits die eine oder andere Neudreh-Minute, andererseits freuen sich die Langzeit-Fans immer über jedes noch so kleine Nostalgie-Zuckerl. Das würde freilich noch besser schmecken, wenn sich die gelegentliche Rückbesinnung auf 30 lange Jahre auch in den Geschichten, in den Dialogen, im Handeln der Figuren niederschlagen würde: Helga kommt gerade von Bennys Grab nach Hause, Andy zieht eine Postkarte von Valerie aus dem Briefkasten; eine beiläufige Erwähnung, ein kurzer Nebensatz – man könnte da mit wenig viel bewirken.

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Keine sparbedingten „Sommer-/Oster-/Weihnachts-Pausen“

Lindenstraße muss es wieder jede Woche geben, ohne Ausnahmen und -reden. Im Muttersender. Basta.

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Verzicht auf Fußball-Geschichten

Sicher, Welt- und Europameisterschaften müssen wohl oder übel vorkommen in einer Serie, die sich Realitätsnähe und Echtzeit auf die Fahnen geschrieben hat. Irgendwann in den 90ern hat es sich aber eingebürgert, diese Ereignisse mit ganzen Handlungssträngen zu würdigen, gerne aus der Abteilung „heiter-burleskes Episödchen“. Meine Bitte, sowas in Zukunft bleiben zu lassen, muss ich ja wohl nicht mehr weiter begründen.

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Lebenslange Comeback-Sperre für Olli Klatt

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Raffinierteres Flechtwerk

Früher™ war das so toll: Irgendeine Figur verließ ihre Wohnung und rannte kurz darauf in einem anderen Handlungsstrang als Statist durchs Treppenhaus oder über die Straße. Ein vom Prinzip her einfacher, dabei vermutlich irrsinnig aufwendig zu disponierender, unterm Strich aber ausgesprochen effizienter Trick, um einen kompakten Kosmos herzustellen. Diese kleine, beiläufige Inszenierungs-Raffinesse ist natürlich längst dem Spardiktat zum Opfer gefallen. Ich hätte sie trotzdem gerne wieder.

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Mindestens dreißig weitere Jahre für die Lindenstraße und alle, die sie machen, gucken und lieben

 

Fed up putting up

Panti hat wieder zugeschlagen. Wieder (und eigentlich schon vor einem halben Jahr) hat die irische Dragqueen eine große Rede gehalten, deren einzige Schwäche darin bestehen mag, dass sie zwangsläufig im Schatten der großen Rede im Dubliner Abbey Theatre steht, die vor gut einem Jahr um den Globus fegte.

Pantis Thema sind auch diesmal die Kleinigkeiten, all the little things, an denen LGBTs Tag für Tag ihr Anderssein zu spüren bekommen, und die sie so sehr internalisiert haben, dass man es für selbstverständlich halten könnte. All the little things, die Homophobie ausmachen – auch in unseren vergleichsweise komfortablen westlich-modernen Gesellschaften – und mit denen sich LGBT abzufinden haben.

Gay people do not get to hold hands in public without first considering the risk. […] And if we dediced: Ok, maybe it is ok, well then we do hold hands, but the thing is that now those hands are not casual and thought-less, they are now considered and weighed. […]
We live in this sort of homophobic world, and you might think that a small little thing like holding hands in public, well: It’s just a small thing. And you’re right, it is indeed just a small thing. But it is one of many small things that make us human. And there are lots of small things everyday that LGBT people have to put up with, that other people don’t have to put up with. Lots of small things that we have to put up with in order to be safe or not to be the object of ridicule or scorn.
And we are expected to put up with those things and just thank our blessings that we don’t live in a country where we could be imprisoned or executed for being gay. And we are so used to making those small adjustments everyday that even now we rarely ourselves even notice that we’re doing it, because it is just part of the background of our lives, this constant, malign presence that we have assimilated.

Nagel – Kopf.

Pantis Thema sind aber auch auch all the little things, die in Summe das ergeben, worum es doch letztlich geht: Liebe.

Bitte anschauen, zuhören, weitersagen.

Hagia Soapia

Ach, hat das Elend denn die ein End‘!

Aldi hat eine Seife aus dem Sortiment genommen, auf deren Packung eine Moschee abgebildet war, woran offenbar einzelne Personen (die Angaben variieren von „einem“ bis „einige“) Anstoß genommen haben.

Das ist wieder mal einer dieser Fälle, bei denen es im ersten Moment so naheliegt zu denken: „Alle bekloppt!“, dass das gar nicht die ganze Geschichte sein kann. Was 99 % des Publikums freilich nicht davon abhält, das Denken an diesem Punkt einzustellen, nicht ohne nochmal schnell „Zigeunerschnitzel!“ in die Runde zu rülpsen, weil: Wird schon wieder irgendson linksgrüner PC-Scheiß sein.

Ich bin mir selbst nicht so ganz sicher, was ich von dem Konzept „Respekt vor religiösen Gefühlen“ halten soll – schließlich gibt es genug Religionen, die nicht den geringsten Respekt für meine ureigensten Herzensregungen aufbringen. Außerdem weiß man nicht so genau, was da nun eigentlich vorgefallen ist und wer da aus welchen Gründen mit welcher Verve welchen Standpunkt vertreten hat. Sicher ließe sich das alles recherchieren, aber darum geht es mir im Grunde gar nicht. Mir ist nur diese allzu wohlfeile Empörung zuwider, mit der nun vom biederen Bürger bis zum hysterischen „Hurra, wir kapitulieren“-Apostel alle reflexhaft die Backen aufblasen.

Im ungünstigsten (und leider anzunehmenden) Fall hatte da einfach jemand Schiss, Aldi könnte der nächste Charlie Hebdo werden – was natürlich Unfug ist. Vielleicht saß da aber auch ein kluger Mensch, der erkannt hat, dass gewisse Stereotype von irgendwelchen ungefähren „fernen Ländern“ in der globalisierten Welt des Jahres 2015 nicht mehr so ganz state of the art sind.

Man könnte nämlich auch mal in Betracht ziehen, ob es nicht vielleicht ein völlig überholter Exotismus ist, eine Moschee als sinnentleerte Illustration für „irgendwie so’n bisschen orientalisch“ zu verwenden. Oder wollen wir es „eurozentristischen Blödsinn“ nennen? Ich kann zumindest nachvollziehen, dass Leute, in deren Leben so eine Moschee einen tatsächlichen Stellenwert hat, darüber Unbehagen empfinden.

Niemand käme ernsthaft auf die Idee, eine Seife mit der Abbildung eines christlichen Gotteshauses zu bewerben. An dieser Stelle wird dann auf die Seifenschachtel von 4711 verwiesen, auf der neben dem Kölner Dom sogar noch Groß St. Martin zu sehen ist. Ein nicht völlig, aber eben doch etwas anders gelagerter Fall, dient hier doch die Abbildung dazu, Herkunft und Name des Produkts mit einem bekannten Wahrzeichen zu illustrieren – und eben nicht dazu, irgendwelche romantisierenden 1001-Nacht-Klischees abzurufen.

Da sind nun ein paar Leute, die nicht (mehr) bereit sind, ihr Heiligstes in einem solch banalen Zusammenhang zweckentfremdet zu sehen. Man mag das für albern und übersensibel halten, es bleibt dennoch ihr gutes Recht, diesen Standpunkt zu äußern. Das ist dann die freiheitlich-demokratische Grundordnung, deren Verständnis „den Muslimen“ ja in diesen Tagen so gerne abgesprochen wird. Ebenso ist es Aldis gutes Recht, auf eine einzelne Beschwerde zu reagieren oder auch Hunderttausende davon zu ignorieren. An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob auch über ein „Einknicken“ geschnappatmet würde, wenn Aldi auf persönlichen Wunsch von Oma Kaschubiak aus Giengen an der Brenz fürderhin eine Kuh mehr auf den Milchkarton drucken lassen würde.

Letztlich scheint es wieder eines dieser ermüdenden Globalisierungs-Gefechte zu sein, mit denen all jene überfordert sind, deren kleine bequeme Welt das hier mal war. Aber ach!, Schwarze wollen nicht mehr, dass Weiße sich zum Spaß schwarz anmalen, Roma verwahren sich aus unerfindlichen Gründen gegen das durch die Bank positiv konnotierte Gypsy-Image – und nun auch noch Muslime, denen eine Moschee etwas bedeutet! Wo soll das alles hinführen?

Ja, das ist alles schrecklich unübersichtlich und verwirrend, und der Kopf ist schnell geschüttelt. Vielleicht ist aber genau das diese Integration, von der doch alle sprechen.

Herrlich Provokant oder Unfassbar Dumm?

 

toleranzwocheMan müsste einiges sagen zu den unsäglichen Plakatmotiven, mit der die ARD ihre „Themenwoche Toleranz“ bewirbt – wenn der Zaunfink es nicht schon so schön getan hätte:

Leider weist eure Kampagne nicht darauf hin, dass das Problem, über das wir reden sollten, intolerante Menschen und Organisationen sind, sondern sie suggeriert, das Problem seien Schwarze, Schwule, Kinder und Behinderte, und zwar für Weiße, Heterosexuelle, Erwachsene und Nichtbehinderte, die dringend mal wieder ganz neutral und ergebnisoffen darüber diskutieren sollten, ob diese “Anderen” nun wirklich minderwertige Menschen seien oder vielleicht doch nicht.

Statt diejenigen, die Intoleranz ertragen müssen, zu fragen, was das anrichtet, fragt ihr lieber, wie die Chimäre der “Normalbevölkerung” mit der Zumutung der Existenz von Menschen zurechtkommt, die sie selber ausgrenzt und herabsetzt. So geht’s natürlich auch. Wenn man die letzten fünf Jahrzehnte nicht mitbekommen hat. Ihr suggeriert eine Debatte, die nicht mit Diskriminierten geführt wird, sondern über sie, und zwar von denen, die sie diskriminieren.

… zum ganzen Beitrag …

Vielen Dank dafür!

 

Ozapft, gsuffa, aussegschbiem

Es ist meine dritte Wiesn-Saison als München-Pendler, und ich leide still und frage mich: Vomit hab ich das verdient?

Ergänzend zu der essentiellen Dokumentationsarbeit der Website „München kotzt“ muss ich wieder einmal anmerken, mit welch frappierender Zuverlässigkeit die ganze Stadt bis in ihre entlegensten Winkel und weit abseits des eigentlichen Geschehens aufs Ordinärste voigschbiem ist. Im unmittelbaren Umkreis des Veranstaltung mag ja noch mit sowas zu rechnen sein, aber so manches Gaudinockerl, das sein Limit überschritten hat, scheint doch noch erstaunliche Distanzen zurücklegen zu können, ehe es zum Äußersten kommt. Kurz: Die Massenerbrecherei streut, und zwar sondernormen.

Es ist also keineswegs elitäres Ressentiment des Wiesn-Gegners, sondern schlichte Empirie, wenn man feststellt: Was während dieser zwei Wochen in dieser Stadt gekotzt wird, das sprengt alle verfügbaren Begriffe.315757_226186974102458_580145159_n_2

In den Tag konstatiert (19)

Und jedem Freitag wohnt ein Montag inne.

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